Aufgaben zur Struktur des klassischen Dramas

Aufgaben:
2.) Fassen Sie die wesentlichen Gedanken Aristoteles mit eigenen Worten zusammen, indem Sie aufgreifen, was er u. a. zu den Aspekten Zeit, Handlung, Furcht, Mitleid und Nachahmung notiert hat.

3.) Aristoteles Dramentheorie geht von einem streng aufgebauten Drama aus. Aristoteles fordert die Einheit der Handlung, der Zeit (ein Tagesablauf) sowie des Ortes (ein Handlungsort). Die Berücksichtigung dieser „drei Einheiten“ entspricht den Idealvorstellungen des „geschlossenen Dramas“. Erläutern Sie, inwiefern dieses Muster auf das Schauspiel von Ibsen zu übertragen ist.

4.) Fassen Sie zusammen, wie Schiller die Tragödie von erzählenden Texten (Epik) und von Lyrik abgrenzt.

zu 2.)

Zeit:

  • Tragödie dauert etwa einen Tag oder länger (Z. 6-9)
  • Mythos muss ebenfalls eine bestimmte Länge haben, die „erinnerlich bleiben“ soll, also einen entsprechend kurzen, übersichtlichen Zeitraum abdeckt

Handlung:

  • Qualität der H. ist durch die Charakter der Handelnden bestimmt
  • alle haben Glück oder Unglück
  • Mythos = Zusammensetzung der Handlungen
  • Ziel der Tragödie
  • der Aufbau der H. ist „das erste und wichtigste Stück der Tragödie“ (Z. 50-51)
  • H. schließen Charaktere ein
  • Aufbau: H. muss ein Ganzes sein (Anfang, Mitte u. Ende)
  • H. dürfen weder an einem beliebigen Punkt beginnen noch aufhören
  • einheitliche H. ist notwendig, damit sich das Ganze verändert, wenn einzelne Teile der H. verändert oder weggelassen werden
  • wenn „Großes gestürzt und Niedriges erhöht“ wird, wird die H. erstaunlicher (Z. 111-113)

Furcht:

  • „reinigt“ die Form der Darstellung (Rede in gesonderten Teilen)
  • steht im Gegensatz zu einer vollkommenen Handlung; wird dann nachgeahmt (in einem Drama dargestellt), wenn im Handlungsablauf Unvorhergesehenes geschieht

Mitleid:

  • „reinigt“ die Form der Darstellung (Rede in gesonderten Teilen)
  • steht im Gegensatz zu einer vollkommenen Handlung; wird dann nachgeahmt (in einem Drama dargestellt), wenn im Handlungsablauf Unvorhergesehenes geschieht

Nachahmung:

  • Tragödie = „N. einer edlen und abgeschlossenen Handlung“ (Z. 11-12)
  • Mythos = N. der Handlung
  • nicht Menschen werden nachgeahmt, sondern Handlungen und Lebensweisen (Glück u. Unglück)
  • vollständige u. ganze Handlung wird nachgeahmt
  • in anderen Künsten bezieht sich die Nachahmung auf einen Gegenstand
  • nicht nur vollkommene, also fehlerfreie, Handlungen werden nachgeahmt, auch welche, in denen Furcht und Mitleid vorkommt

zu 3.)

Einheit der Handlung:
Aristoteles Vorstellung von der einheitlichen Handlung, bei der sich das gesamte Drama verändert, sobald ein Teil des Ganzen verändert bzw. weggelassen wird, trifft vermutlich auch auf Ibsens Drama „Nora“ zu. Das Beispiel „Der geänderte Schluss“ macht deutlich, dass die gesamte Handlung zweifellos in einem anderen Licht erscheint, wenn Nora am Ende bei Helmer bleibt. Damit siegt Helmers Einfluss auf sie und schließlich auch sein gesellschaftsbezogenes Denken. Im Original Ibsens verlässt Nora ihn, wodurch sich die Entschlossenheit Noras zeigt, die sich im letzten Teil des 3. Aktes erstaunlich schnell (charakterlich) gewandelt hat. Den Schluss kann man also als „Teil des Ganzen“ ansehen, der -wenn man ihn ändert- die komplette Handlung lenken kann. Anders ist es lt. Aristoteles jedoch, wenn ein unwichtiger Teil (also ein Stück, welches nicht zum Ganzen gehört) geändert wird. Dann verändert sich nämlich auch nicht die gesamte Handlung sondern die Veränderung hat nur eine kleine, auf die Situation bezogene (meist unsichtbare) Wirkung.

Einheit der Zeit:
Nach Aristoteles darf das Drama „in einem einzigen Sonnenumlauf“, also einem Tag, oder etwas länger stattfinden. Bei Ibsens „Nora“ werden drei Tage dargestellt, was in etwa dem aristotelischen Schema entspricht. Zudem wird Unwichtiges (die Weihnachstfeiern selbst) weggelassen und nur rückblickend erwähnt.

Einheit des Handlungsortes:
Hierbei hält sich Ibsen genau an die Vorstellungen Aristoteles. Sämtliche Szenen finden im Wohnzimmer der Familie Helmer statt. Während des Dramas verschwinden zwar mehrere Personen durch die Haustür oder gehen in andere Zimmer (Helmers Arbeitszimmer, Küche, etc.), der Zuschauer bleibt jedoch immer in der gleichen Beobachterposition. Lediglich der Ort im Raum wird -um Abwechslung ins Schauspiel zu bringen und um bestimmte Charakterzüge, Gedanken, etc. hervorzuheben- häufiger gewechselt (Sofaecke, Fenster, Tür,…).

zu 4.)

  • Tragödie = dichterische Nachahmung einer zusammenhgd. Reihe v. Begebenheiten (zeigt leidende Menschen, soll Mitleid erwecken)
  • T. = Nachahmung einer Handlung → dadurch: Unterschied zu anderen dichterischen Gattungen (Epik,…)
  • einzelne Handlungen werden als gegenwärtig dargestellt (unmittelbar, ohne Einmischung v. Dritten), dadurch Verstärkung des „teilnehmerischen Affekts“ (in etwa der persönl. Bezug zum Thema)
  • Ggs.: Romane, etc.: Erzähler steht zwischen Leser u. handelnden Personen. Dadurch erscheint die Handlung weiter entfernt, was den Eindruck u. die persönl. Identifikation m. d. Stück schwächt
  • Grundsatz: „Alle erzählenden Formen machen das Gegenwärtige zum Vergangenen, alle dramatischen das Vergangene gegenwärtig.“ (Z. 24-26)
  • beim Drama werden die Gründe und Folgen der Begebenheiten miteinbezogen, diese werden von den Schauspielern nachgeahmt
  • Lyrik ahmt zwar auch Gemütszustände nach, aber keine Handlungen.
  • wesentliche Unterschiede liegen im Zweck der Dichtungsarten
  • Tragödie ist nicht nur ein einziges (tragisches) Ereignis, sondern ein Zusammenspiel von mehreren Begebenheiten, die auf bestimmten Gründen beruhen
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