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Schule > GeschichteNationalsozialismus > Tagebucheintrag von einem jungen Juden in der...   

  Tagebucheintrag von einem jungen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus  

Verfasst von Vanessa Venerito am 19.02.2007

Liebes Tagebuch,

ich wollte dir einmal erzählen, wie hart das Leben eines Juden ist. Wir haben in der letzten Zeit sehr viele Vorschriften erhalten.

Wir müssen einen zusätzlichen Namen in unserem mit „J“ gekennzeichneten Pass eintragen lassen. Die Frauen erhalten den Namen „Sara“ und die Männer den Namen „Israel“.

Zusätzlich müssen die Kinder und Jugendlichen auf eine Schule gehen, die ausschließlich nur Juden besuchen. Uns wird auch verboten Theateraufführungen, das Kino oder Ähnliches zu besuchen.

Bibliotheken dürfen wir gar nicht erst betreten. Du kannst dir vorstellen, was das für uns bedeutet. Wir sind ganz und gar in unserem Leben eingeschränkt, aber wenn du denkst, das wäre alles, dann warte mal ab, denn da kommt noch eine Menge hinzu.

Hinzu kommt nämlich, dass keine öffentlichen Anlagen betreten werden dürfen, wie z. B. das Regierungsviertel oder ein Park.

Bildung durch Zeitungen oder diese zu abonnieren ist uns ebenfalls untersagt.

Wenn du meinst, wir dürfen öffentliche Verkehrsmittel benutzen, um von A nach B zu gelangen, hast du dich geirrt. Denn wir dürfen noch nicht einmal ein Fahrrad, geschweige denn ein Auto, besitzen.

Die Dienstleistungen eines Friseurs dürfen wir ebenfalls nicht in Anspruch nehmen und unsere Telefonanschlüsse sind abgeschaltet worden.

Da wir keine öffentlichen Anlagen betreten dürfen, ist es und auch untersagt eine Telefonzelle zu benutzen.

Arbeiten können unsere Eltern nur in der Rüstungsindustrie, in der sie Schwerstarbeit leisten. Wenn es hoch kommt, dürfen sie höchstens einmal die niedrige Hofarbeit verrichten.

Wie ich ja schon gesagt habe, wir sind in allen Dingen auf das niedrigste Maß abgestuft worden.

Denn einkaufen dürfen wir auch nur in wenigen, speziell gekennzeichneten Geschäften.

Nahrungsmittel stehen uns nur in geringen Mengen zu Verfügung, das heißt für uns, dass viele von uns hungern müssen. Uns wird sogar vorgeschrieben, unseren Wohnsitz zu wechseln und an unseren Haustüren hängt ein sogenannter Judenstern.

Aber es kommt noch schlimmer, denn es ist uns nicht erlaubt, unsere Wohnungen in dem Zeitraum von 20 bis 5 Uhr zu verlassen.

Wenn die Wohnung eines „Ariers“ zerbombt wurde, müssen wir ihnen unsere Wohnung zur Verfügung stellen und wir müssen mit anderen Juden eine Wohngemeinschaft bilden, welche unter menschlich unwürdigen Verhältnissen gegründet werden.

An einen Anspruch auf ein eigenes Zimmer unter diesen Voraussetzungen ist gar nicht erst zu denken.

Unsere Elektrogeräte, die uns im Alltag weiterhelfen, müssen wir ebenfalls abgeben, damit den „Ariern“ diese zur Verfügung stehen.

Liebes Tagebuch, ich hoffe, dass du nun einen kleinen Einblick in das Leben eines Juden erhältst.

Diese Vorschriften sind einfach nur absurd und führen für uns zu menschlich unwürdigenden Voraussetzungen zum Leben.

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