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  Interpretation: "Mailied" (Johann Wolfgang v. Goethe)  

Verfasst von Oliver Kuna am 01.01.2001
Besucher-Urteil: Note 1,7 (Skala: 1-6)
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Das Naturgedicht "Mailied" von Johann Wolfgang von Goethe wurde im Jahre 1771 verfasst, als Goethe unter dem Einfluss der Literaturepoche "Sturm und Drang" schrieb. Schon nach dem ersten Lesen lässt sich zweifelsfrei dass Thema Liebe feststellen, die das lyrische Ich nicht nur mit der Natur in Verbindung setzt sondern auch Vergleiche mit ihr heranzieht. Dadurch entsteht eine durchweg harmonische Stimmung, in der sich vermutlich auch Goethe selbst befand, als er das Gedicht schrieb.

Goethe beginnt damit, der Natur harmonische Eigenschaften zuzusprechen, indem er sie zunächst mit persönlichen Empfindungen beschreibt. Dies führt er bis zur dritten Strophe (einschließlich) fort und fängt voller Begeisterung über die Natur in Z. 13 an, über die Liebe zu sprechen. Schnell kommt er in Z. 21 zur direkten Ansprache des Mädchens, das er zu lieben scheint. Abwechselnd wird nun von Strophe zu Strophe die Liebe oder die Natur hervorgehoben, er setzt trotzdem beides so eng miteinander in Beziehung, dass diese Wechselhaftigkeit abgerundet erscheint. Das Glücksgefühl bzw. Verliebtsein des lyrischen Ichs steigert sich zum Ende hin mehr und mehr und endet mit den Worten "Sei ewig glücklich, / Wie du mich liebst" (Z. 35-36).
Um die Liebe zu beschreiben, bedient sich Goethe des Hauptmotivs Natur, welches man noch genauer unterteilen kann. Eine zentrale Rolle in der Natur spielen Himmel, Sonne und Blumen. Der Himmel wird erst dann zum Motiv, als Goethe die Liebe in der vierten Strophe einbringt. Diese wird nämlich gleich auf positive Weise mit "Morgenwolken" verglichen (Z. 15), die man dem Himmelsmotiv zuordnen kann. Drei Strophen später nimmt Goethe das Motiv wieder auf, spricht es sogar direkt an ("Gesang und Luft, / ... / Den Himmelsduft", Z. 26+28). Wieder spielt hier die Liebe eine tragende Rolle, da die Lerche die Luft und den Himmel(sduft) liebt. Auch das Motiv Sonne taucht mehrfach auf. Gleich in der ersten Strophe schreibt Goethe "Wie glänzt die Sonne!" (Z. 3). Dieser Ausruf zeigt die offenbare Faszination des lyrischen Ichs von der Natur, die später durch einen nochmaligen direkten Ausruf verdeutlicht wird ("o Sonne!", Z. 11). Die Blumen bilden letztendlich ein weiteres interessantes Motiv bei Goethes "Mailied". Sie ziehen sich durch das gesamte Gedicht und prägen dabei die jeweilige Art der Stimmungslage des lyrischen Ichs. Anfangs "dringen Blüten" (Z. 5) vielversprechend "aus jedem Zweig" (Z. 6) und symbolisieren den herannahenden Frühling, auf den sich das lyrische Ich enorm freut. Kurz vor dem Höhepunkt des Gedichts, der direkten Ansprache des Mädchens, schreibt Goethe "Im Blütendampfe / Die volle Welt." (Z. 19-20). Der anfängliche Enthusiasmus ("Blütendampf") klingt langsam zu einem ruhigen Glücksgefühl ab ("Und Morgenblumen / Den Himmelsduft.", Z. 26-26).

Beim Untersuchen der strukturellen Merkmale des "Mailieds" fällt zunächst der Jambus auf, der durchweg das Metrum des Gedichts darstellt. Da keine Abweichung zu erkennen ist, hat Goethe damit anscheinend keine Besonderheiten hervorheben wollen. Allerdings ist die Reimart sehr auffallend. Goethe verwendet nämlich -bis auf wenige Ausnahmen- das Reimschema abcb, wodurch sich nur zwei Verse aufeinander reimen. Der Grund für dieses nicht einzuordnende Reimschema ist höchstwahrscheinlich auf die Epoche "Sturm und Drang" zurückzuführen, da Originalität die Gedichte bestimmte. Das heißt also auch, bestimmte lyrische "Normen" zu umgehen, um die Originalität oder die Besonderheit des Gedichts in den Vordergrund zu stellen. Trotzdem verwendet Goethe viele altbekannte Merkmale der Lyrik; so lässt sich z. B. der Zeilensprung in jeder Strophe feststellen (Bsp.: "Wie herrlich leuchtet / Mir die Natur!", Z. 1-2). Die dahinter versteckte Absicht ist, den innerlichen Jubel und die Direktheit seiner Empfindungen und seiner Beschreibungen zum Ausdruck zu bringen. Wie schon am Motiv Blume beschrieben wurde, steigt der Höhepunkt langsam an und klingt in gewissem Maße etwas ab; dies jedoch nicht völlig, denn vielmehr verbleibt das lyrische Ich in seinem Glücksgefühl, weshalb man dem Gedicht das Kompositionsprinzip Addition, Variation und Summation zuordnen kann. Allerdings ist darf man dies nicht als absolute Zuordnung betrachten, denn auch im Aufbau hat Goethe getreu des "Sturm und Drang" Originalität bzw. Genialität bewiesen.
Das Gedicht ist sehr bilderreich geschrieben. So fallen zunächst die Wörter "wie" und "lieben" (auch als Substantiv vorkommend) auf, die sehr häufig wiederholt werden und einen starken Bezug zueinander haben. "wie" wird in drei verschiedenen Varianten benutzt. Gleich in der ersten Zeile heißt es "Wie herrlich leuchtet", wobei hier kein direkter Vergleich stattfindet, wohl aber ein Ausruf zumindest mit Vergleichscharakter vorhanden ist. Besonders stark tritt die Wiederholung in Z. 22-24 auf (Anapher); die dort dreimal hintereinander ähnliche Satzstruktur, immer beginnend mit dem "wie", macht die Liebe zu dem Mädchen an dieser Stelle besonders deutlich. Weiterhin findet man diese Art der Wiederholung in den Zeilen 1,3,4,22,23 und 24. Die zweite Art der Verwendung von "wie" stellt einen direkten Vergleich dar: "So golden schön, / Wie Morgenwolken" (Z. 14-15). Gemeint ist die Liebe, die durch die ab Z. 11 immer wieder verwendete Anapher "O" angesprochen wird. Auch das Wort "O" hat eine ähnlich Wirkung wie das erste "wie" - es stützt die Deutlichkeit des Ausrufs, jedoch kommt zusätzlich hinzu, dass es eine direkte Ansprache der Liebe zur Folge hat, wodurch diese auch personifiziert wird. Diese Personifikation setzt sich in Z. 17 mit "Du segnest herrlich" fort und ab Z. 21 spricht Goethe plötzlich von dem Mädchen selbst, nachdem er innerlich auf diesen Höhepunkt zugesteuert hat. Die dritte Form der Verwendung von "wie" tritt nur einmal auf, allerdings lässt sie sich nicht genau bestimmen. Formal hat sie eine ähnliche Bedeutung wie das erste "wie": "Sei ewig glücklich, / Wie du mich liebst". Es handelt sich um eine Zwischenform zwischen Vergleich und Ausruf, es klingt beinahe selbstverständlich, womit auch die Bedeutung erklärt wäre.
Um auf die Personifikationen im Gedicht zurückzukommen: Hauptsächlich personifiziert Goethe hier die Liebe als Thema und die Natur in verschiedener Form als Hauptmotiv. So "lacht die Flur!" (Z. 4)
z. B. und Goethe bringt damit zunächst einen globalen Eindruck vom herannahenden Frühling zum Ausdruck; in der zweiten Strophe wird er genauer und schreibt -wieder personifizierend- von "tausend Stimmen", die "aus dem Gesträuch" dringen (Z. 7-8). Besonders hervorzuheben ist die Personifikation der Liebe "Du segnest herrlich / Das frische Feld."

Die direkte Aussprache "O Lieb, o Liebe" (Z. 13) ist nicht zufällig gewählt worden. Vielmehr spricht Goethe hier von der Liebe selbst, zuvor sprach er aus Liebe, d. h. er brachte seine Empfindungen durch erwartungsvolle Naturbeschreibungen zum Ausdruck.
Die in der 4. und 5. Strophe beschriebene Liebe steigt an, bis sie schließlich überall ist ("Die volle Welt.", Z. 20). Jetzt erst scheint der Zeitpunkt gekommen zu sein, dass Goethe die Liebe zu dem Mädchen aussprechen kann. In dieser, der sechsten Strophe, schreibt er absolut von dem Mädchen und nimmt in der darauffolgenden Strophe wieder Bezug zur Natur (Z. 25-28).
Bedenkt man, dass Goethe in der Zeit, als er das Mailied schrieb, in die Pfarrerstochter Friederike Brion verliebt war, wird ziemlich klar deutlich, was er mit diesem Gedicht zum Ausdruck bringen will: seine Liebe zu ihr. Beeindruckt von den zahlreichen Facetten des Frühlings wünscht er sich eine glückliche Zukunft mit ihr ("Sei ewig glücklich, / Wie du mich liebst!", Z. 35-36). Dieses "In-die-Zukunft-blicken" ist zudem typisch für die Epoche "Sturm und Drang", unter dessen Einfluss Goethe dieses Gedicht schrieb.

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