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  Interpretation: "Zum Lazarus" (Heinrich Heine)  

Verfasst von Katrin Wissentz am 01.01.2002
Besucher-Urteil: Note 1,5 (Skala: 1-6)
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Das Gedicht "Zum Lazarus" wurde von Heinrich Heine um 1850 verfasst. Heinrich Heine wurde am 13.12.1797 in Düsseldorf als Sohn eines jüdischen Schnittwarenhändlers geboren und durchlief zu seiner Lebzeit verschiedene Ausbildungen, so auch das Jurastudium. Heine starb am 17.02.1856 in Paris, nachdem ihn ein Rückenmarksleiden vorher schon für Jahre ans Bett gefesselt hatte. In seinem Gedicht „Zum Lazarus“ beschäftigt sich Heine mit Gottes Wirken in bezug auf Gerechtigkeit.

Das ganze Gedicht ist eine große Frage, gibt es Gott und wenn ja, wo ist er? Als zentraler Punkt wurde die Gerechtigkeit gewählt, was in der weiteren Interpretation deutlich wird.

Die erste Strophe beginnt mit einer Aufforderung an Gott seine Gleichnisse und Hypothesen sein zu lassen(vgl. S. 1, V. 1 f.) und sich wichtigeren Sachen zuzuwenden und eine Lösung für eine Frage zu finden. Anders als gewohnt, wird keine Bitte sondern ein Befehl an Gott gerichtet und an der Wortwahl ist zu erkennen, dass der Autor ungeduldig ist, sogar schon aufgebracht scheint (vgl. S. 1, V. 3 f.). Entweder ist dem Autor die Lebenszeit nur noch knapp bemessen oder es muss schon all zu lange auf die Antwort warten, was seine Ungeduld rechtfertigen würde. Ein weiteres angewandtes Stilmittel ist die Anapher (vgl. S. 1, V. 1 f.). Im Grunde genommen ist die zweite Zeile überflüssig, doch ist sie in so fern wichtig, als dass sie dem Leser die Dringlichkeit der Beantwortung der Frage vor Augen führt. Man kann die erste Strophe als eine Art Einleitung bezeichnen, denn es wird zwar von einer Frage gesprochen aber dennoch nichts über den Inhalt dieser Frage preisgegeben, wodurch die Neugierde des Lesers geweckt wird. In der zweiten Strophe nun wird die Frage nach der „Frage“ aufgelöst (vgl. S. 2, V. 1-4). Der Autor möchte wissen, warum sich der Gerechte unter Kreuzlast dahin schleppt, während der Schlechte als Sieger auf hohem Ross vorbei trabt (vgl. S. 2, V. 1-4). Es ist eine Frage nach Gerechtigkeit, wobei der Autor anprangert, dass die Ungerechtigkeit immer als Sieger hervorgeht. Es scheint nach dieser Strophe, dass die Ungerechtigkeit immer siegt, während die Gerechtigkeit als Verlierer zu Grunde geht. Es wurde das Bild von Jesus am Kreuz gewählt, um die Ungerechtigkeit darzustellen, denn Jesus symbolisiert das wahre Gute und die Gerechtigkeit in seiner Person, wodurch die Ungerechtigkeit, diesem durch und durch guten Menschen etwas Schlechtes zu tun, noch einmal hervorgehoben wird. In der dritten Strophe versucht der Autor selber eine Antwort für seine vorherige Frage zu finden, doch fällt diese mit der Frage, ob „ unser Herr etwa nicht ganz allmächtig sei“ (vgl. S. 3, V. 2) eher zynisch und ironisch aus. Auch im weiteren Verlauf der Strophe bricht der Zynismus nicht ab, sondern steigert sich noch mit der vagen Annahme, dass der liebe Gott vielleicht selbst für die ganze Ungerechtigkeit verantwortlich sei. Spätestens an der dieser Stelle wird deutlich, dass der Autor Gott und seiner Existenz sehr kritisch gegenüber steht, denn wenn es einen Gott geben würde, warum lässt er dann solche Sachen wie Ungerechtigkeit zu? Mit der Annahme, dass Gott vielleicht selbst verantwortlich ist, bewegt sich der Autor sogar schon an der Grenze zur Blasphemie, doch behauptete der Autor selbst einmal, dass Gotteslästerung religiös bleibe, wenn sie gerechtfertigt sei.

Weiter heißt es in der vierten Strophe, dass sich die Frage nach Gerechtigkeit unaufhörlich durchs Leben zieht, bis man schließlich stirbt (vgl. S. 4, V. 2 f.) und ins Jenseits eingeht, wo das Leben friedlich und gerecht verläuft und es einfach nichts Schlechtes gibt. Doch fragt der Autor an dieser Stelle, ob man dieses Hoffen auf das „gerechte“ Leben nach dem Tod wirklich als eine Antwort auf die Frage nach Gerechtigkeit werten kann, denn was würde passieren, wenn es das Jenseits gar nicht geben würde? Wieder einmal werden Zweifel an der Richtigkeit der kirchlichen Lehre und Gott allgemein deutlich, was darauf hindeutet, dass der Autor schon viele Schicksalsschläge oder Enttäuschungen hat hinnehmen müssen, und so den Glauben an Gott vielleicht verloren hat. Auffallend ist das lyrische Ich. Es bezieht sich von Anfang an des Gedichtes ein in die Forderungen oder Fragen und verhält sich in keinster Weise distanziert („fragen wir beständig“, vgl. S. 4, V. 1). Unter diesem Aspekt ist zu vermuten, dass das lyrische Ich auf irgendeine Art und Weise von einer Ungerechtigkeit betroffen war oder ist und daher ebenfalls die Notwendigkeit sieht nach Gerechtigkeit zu fragen und im folgenden Schritt Gott anzuzweifeln. Anders als bei den ersten drei Strophen, wo das Reimschema als Schweifreim bezeichnet werden kann (abcb, defe, ghih), besitzt die vierte Strophe überhaupt kein Reimschema, mit der Ausnahme einer Assonanz zwischen dem zweiten und vierten Vers. Da die letzte Strophe eine Art Finale, etwas Endgültiges darstellt, wollte der Autor die besondere Aufmerksamkeit des Lesers auf diese Strophe lenken, was ihm am besten gelingt, wenn er plötzlich aus gewohnten Bahnen ausbricht und so zum Beispiel, anstatt des vorher angewandten Reimschemas, zum Schluss ein anderes verwendet. Während des gesamten Gedichtes ist zu beobachten, dass immer die folgende Strophe eine Art Auflösung der vorigen darstellt. In der ersten Strophe ist die Rede von einer Frage, in der zweiten Strophe erfährt der Leser den Inhalt dieser Frage, worauf hin dann die dritte Strophe die eventuelle Antwort auf die Frage enthält und die vierte Strophe das eigentliche niederschmetternde und pessimistische Ergebnis darstellt.

Ich denke, Heinrich Heine wollte mit dem Gedicht darstellen, dass es manchmal gar nicht so leicht ist seinen Glauben an Gott nicht zu verlieren, angesichts der Ungerechtigkeiten die den einen Menschen mehr, den anderen weniger, treffen. Er wollte den Menschen klar die Widersprüchlichkeit zwischen kirchlichen Lehren bzw. Gott und der Realität darstellen. Für Heine selbst war Gott schon lange keine Realität mehr oder ist es nie richtig gewesen, denn als er mit seinem Rückenmarksleiden an seine „Matratzengruft“ gefesselt war, half auch kein beten zu Gott und so fragte er sich angesichts seiner Situation „Und Gott? Und Gott?“ Somit könnte man vermuten, dass Heine mit der in seinem Gedicht angesprochenen Ungerechtigkeit auf sein eigenes Rückenmarksleiden anspielt und sich selbst als der unter Kreuzlast Gerechte ansieht. Damit ließe sich auch der ungeduldige und barsche Ton und die damit verbundene Dringlichkeit begründen, denn Heine merkte schon früh, dass sich sein Leben dem Ende zuneigt. Mit dem Fortschreiten der Krankheit wurden Heines Zweifel und auch sein Zynismus an Gott und der damit verbundenen Kirche immer größer, so dass er sogar noch im Sterben, als seine Freundin an seinem Bett Gott bat seine Sünden zu vergeben, sagte, dass sie nicht für ihn zu beten brauche, denn Gotte würde ihm schon vergeben, schließlich sei das sein Geschäft.

Ich finde das Gedicht sehr pessimistisch und düster, doch mit dem Hintergrundwissen, wann und warum Heine das Gedicht geschrieben hat, kann ich wenigstens nachvollziehen, dass es derart pessimistisch klingt. Ich hätte vielleicht die selben Gedanken gehabt. So denke ich, dass Heine mit seinem Gedankengang im Gedicht bei den Menschen einen Ursprünglichen Widerspruch weckt, denn wer kann guten Gewissens behaupten noch nie einen Gedanken daran verschwendet zu haben, warum es so viel Ungerechtigkeit auf der Welt gibt, wenn doch ein Gott existiert. Ich jedenfalls habe schon oft darüber nachgedacht und ich kenne auch Leute, die nach vielen schmerzlichen Erfahrungen den Glauben an Gott, wie Heine es tat, verloren haben.

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